Was eine große Versorgungsstudie über die Behandlung von Wechseljahresbeschwerden in Deutschland wirklich zeigt – und warum das kein Einzelfall ist.

Bert Raderschatt · Integrative Medizin

Die Hormonersatztherapie gilt gemäß der aktuellen S3-Leitlinie als First-line-Therapie des klimakterischen Syndroms. In der Praxis sieht die Versorgung jedoch anders aus. Eine große deutsche Studie hat genau diese Lücke zwischen Leitlinie und Alltag erstmals mit belastbaren Zahlen belegt.

Die Studie im Überblick

Ein Team um Prof. Petra Stute hat 2022 die Versorgungsrealität von Frauen in den Wechseljahren in Deutschland untersucht – mit einer ungewöhnlich breiten Datenbasis: einer Befragung von 1.000 Frauen zwischen 45 und 60 Jahren zu Lebensqualität, Menopause und Hormonersatztherapie, kombiniert mit einer longitudinalen Auswertung anonymisierter Abrechnungsdaten gesetzlicher Krankenkassen mit rund vier Millionen Versicherten pro Jahr.

14 % der über 35-jährigen GKV-Versicherten erhielten 2014 die Erstdiagnose einer klimakterischen Störung21 % von ihnen bekamen daraufhin eine ambulant verordnete Hormonersatztherapie½ der befragten Frauen fühlte sich über ihre Therapiemöglichkeiten nur mittelmäßig bis schlecht informiert

Anders gesagt: Selbst wenn die Diagnose bereits gestellt war, erhielt nur etwa jede fünfte Frau die Therapie, die laut Leitlinie eigentlich Mittel der ersten Wahl wäre. Die Autorinnen vermuten zudem eine erhebliche Unter- oder Fehlkodierung – viele Beschwerden, die Frauen in ihrem Alltag als deutliche Einschränkung erleben, tauchen in den Abrechnungsdaten gar nicht als klimakterische Störung auf.

Warum diese Lücke entsteht

Die Gründe sind vielschichtig. Hitzewallungen, Schlafstörungen, Gelenkschmerzen, Stimmungsschwankungen oder Gewichtszunahme werden oft nicht miteinander in Verbindung gebracht – weder von den betroffenen Frauen noch immer im ärztlichen Erstkontakt. Wechseljahresbeschwerden können bereits in den frühen 40ern beginnen, lange bevor an „Wechseljahre“ überhaupt gedacht wird. Und selbst wenn die Diagnose steht, fehlt vielerorts die Zeit für ein Gespräch, das individuelle Nutzen-Risiko-Abwägungen, Hormonstatus und Lebensstilfaktoren wirklich zusammenbringt.

Was das für Sie bedeuten kann

Wenn Sie sich in diesen Zahlen wiedererkennen – wenn Beschwerden da sind, aber nie richtig eingeordnet wurden, oder wenn eine Therapie im Raum stand, ohne dass Zeit für eine fundierte, individuelle Entscheidung blieb – sind Sie damit nicht allein. Genau diese Lücke zwischen Leitlinie und gelebter Versorgung ist einer der Gründe, warum ich mir in der Praxis bewusst mehr Raum für das Thema Hormongesundheit nehme.

Hormon-Sprechstunde In der Hormon-Sprechstunde schauen wir gemeinsam auf Ihren individuellen Hormonstatus, Ihre Beschwerden und Ihre Lebensphase – mit ausreichend Zeit, um Optionen wie eine bioidentische Hormontherapie fundiert und in Ruhe zu besprechen. Wenn Sie das Gefühl haben, bislang zu wenig zu Ihren Möglichkeiten erfahren zu haben, sprechen Sie mich gerne in der Praxis darauf an.